LATEIN ALS FREMDSPRACHE AM GRG21F26
Wir möchten Schülerinnen und Schüler eine Expedition in die Antike und zu Grundlagen unseres heutigen Lebens ermuntern. Solch ein Unternehmen führt zu einer Fülle von Bekanntschaften (z.B. Amor, Brecht, Cäsar, Dante, … , Kolumbus, Leda, Medea, Narziss, Nationalrat, Nemo, Nero, Newton, NLP-Meister, Nymphen …) und zu Sehens- und v.a. Denkwürdigkeiten, welche unsere Gesellschaft in vielerlei Hinsicht bestimmen: auf den Gebieten von Sprache und Literatur, Politik und Recht, bildender Kunst und Musik, Philosophie und Religion(en). Gleichzeitig trainieren die Teilnehmer an solch einer Reise aber auch Fähigkeiten von grundlegender Wichtigkeit, egal in welchen Berufen sie später einmal zu Hause sein werden: Genauigkeit, Konzentration, Gedächtnis, Ausdruckskraft und das Geschick, sehr komplexe Systeme zu verstehen, zu nutzen und selbst zu schaffen.
Prinzipiell verläuft dieses Unternehmen in zwei Phasen:
Latein und Deutsch:
du hast sie mir beigebracht
(Karl Kraus, an seinen Latein-Lehrer)
Sowohl in der sechsjährigen Langform als auch der vierjährigen Version ab der 5. Klasse präsentieren wir in den ersten zwei Lernjahren neben antiker Mythologie, Geschichte und Alltagskultur einen Grundkurs in Grammatik und Vokabular. Derzeit geschieht das mithilfe der Lehrwerke Prima in der 3./4. bzw. veni vidi didici in der 5./6. Klasse. Schon das Grundvokabular bietet große Vorteile für das Erlernen oder Vertiefen aller romanischen Sprachen und des Englischen. Besonders aber wirkt die Beschäftigung mit der komplexen und daher kompakten Grammatik (ihr Umfang macht ca. 1/3 der deutschen Grammatik aus) als wertvolle Basis für das Erlernen dieser und wohl überhaupt aller Fremdsprachen: Wer das eigene System klar vor Augen hat, wird ein fremdes besonders rasch und leicht beherrschen können. Am häufigsten hervorgehoben werden aber die Vorteile so eines "systemgestützten" Blicks auf die eigene Sprache. Der oben zitierte Karl Kraus oder die umfangreiche Lebek-Studie der Universität Köln sollen nur beispielshalber als Zeugen aufgerufen werden: Lateinkenntnisse machen die eigene Sprache transparent und bewusst, steigern die Sprachkompetenz und führen zu deutlicher Überlegenheit auf dem Gebiet des Textverständnisses.
Für uns Lehrer bedeutet der hohe Stellenwert von Bewusstsein und Transparenz auch einen Auftrag für die Unterrichtsgestaltung: Forderung und Förderung müssen in wohlausgewogenem und klarem Verhältnis stehen, gut vorbereitete Leistungsüberprüfungen sollen Misserfolge selten und unverstandene Misserfolge unmöglich machen.
OK. OK., besides the roads, system
of government, sanitation, personal safety,
language, culture, and the rule of the law,
what have the Romans ever done for us?
(Monty Python, "Life of Brian")
Einem riesigen Gebiet können wir in der folgenden Phase der Originaltext-Lektüre widmen. Sie ist nach dem aktuellen Lehrplan nicht mehr von vorneherein auf einzelne Autoren konzentriert, sondern auf thematische "Module" (Politik und Rhetorik; Fachsprachen; "Liebe, Lust und Leidenschaft" in der Literatur, "Begegnung mit dem Fremden" etc.). Das bietet den Vorteil, in noch stärkerem Maß als bisher auf die Interessenslage der Schülerinnen und Schüler eingehen zu können, noch mehr Texte zur Verfügung zu haben, die helfen können, die "Welt", die gerade aktuelle Lebenssituation zu verstehen: Das weite Gebiet lateinischer Literatur, das ja neben der Antike auch Mittelalter und Neuzeit umfasst, steht zur Verfügung.
Der Vielfalt der Textsorten, Themen, Weltsichten, die dabei in zur Sprache kommen, entspricht auch eine Vielfalt an Zugängen im Unterricht (Unterrichtsgespräch, Portfolio, Gruppenarbeit, …, übrigens auch, jedenfalls in den Langlatein-Klassen, eine Rom-Exkursion). Generell verstehen wir unser Lese-Fach dabei als eines, das erlesene Fähigkeiten fördert, nicht aber (wie es vielleicht vor 40? 60? 100? Jahren einmal so war) als "Auslesefach".
Dass man auch/ gerade auf diese Weise erfolgreich arbeiten kann, zeigt z.B. der Sieg Stephan Vargas (Schüler der 8B/2006/07) bei der Bundes-Olympiade 2007.
Das Ende deiner Sprache ist die Grenze deiner Welt.
(Ludwig Wittgenstein)
Klarerweise kommen wir in der Lektürephase auf viele Fachgebiete, auch auf das Gebiet vieler Studienfächer. Obwohl unserer Meinung nach nur ein sekundärer Grund dafür, Latein zu lernen, sei doch einmal aufgezählt, für welche Fächer Lateinkenntnisse (meist bis zum Beginn des 3. Semesters oder Abschluss der ersten Studienabschnitts nachzuweisende) "Studienvoraussetzung" sind:
sämtliche europäische Sprachen(Englisch, Französisch, Italienisch…) , Ägyptologie, Alte Geschichte, Altesemitische u. orientalische Philologie, Arabistik, Archäologie, Byzantinistik, Deutsche Philologie, Geschichte, Judaistik, Jus, Kunstgeschichte, Medizin, Musikwissenschaft, Pharmazie, Philosophie, Sprachen und Kulturen des alten Orients, Sprachwissenschaft, Theologie, Turkologie, Ur- und Frühgeschichte, Vergleichende Literaturwissenschaften, Veterinärmedizin, Zahnmedizin
Aber auch abgesehen davon: Was wir hier vorstellten, ist unserer Meinung nach eine der besten Möglichkeiten überhaupt, "Welt-Grenzen" auszudehnen.
Mag. Ursula Hafner, Mag. Claudia Vollmer, Mag. Elisabeth Vorzellner, Mag. Dr. Bernhard Kreuz





